Über 16 000 Besucher bei den 30. Bayerischen Theatertagen 2012 in Augsburg

Am 27. Mai 2012 endeten die 30. Bayerischen Theatertage 2012 in Augsburg mit der feierlichen Preisverleihung  für besondere künstlerische Leistungen im Großen Haus. An den 17 Tagen des Festivals kamen insgesamt 16.292 Besucher in die Brechtstadt. Die Theatertage standen in diesem Jahr unter dem Motto “Morgen Augsburg”, dem bekannten Zitat aus Thomas Bernhards Drama “Die Macht der Gewohnheit”.

Vom 11. bis 27. Mai 2012 waren 34 Theater-Ensembles aus ganz Bayern auf vier Bühnen mit über 50 Vorstellungen zu Gast in Augsburg. Neben dem abwechslungsreichen Rahmenprogramm nahm dabei das Kinder- und Jugendangebot einen breiten Raum ein. Erstmalig gab es mit dem Kinderstück “Räuber.Hood.Kneißl” eine Uraufführung bei den Theatertagen, die in einem roten Doppeldeckerbusse im Festivalzentrum mit großem Erfolg aufgeführt wurde.

Die neue Interimsspielstätte brechtbühne mit 245 Plätzen, die rechtzeitig zu den  Bayerischen Theatertage fertig gestellt wurde, zählte mit insgesamt sieben ausverkauften Vorstellungen zu einer der beliebtesten Spielstätten bei den Theatertagen. Im Großen Haus waren die Aufführungen von “Die Räuber” (Theater Augsburg), “Woyzeck” (Staatstheater Nürnberg), “Hiob” (Kammerspiele München) sowie “Der Untergang des Hauses Usher” (Staatstheater am Gärtnerplatz) die Publikumsrenner.

Zuletzt waren die Bayerischen Theatertage 1985 zu Gast in Augsburg, im nächsten Jahr finden sie vom 1. bis 16 Juni 2013 in Nürnberg statt.

Die Förderpreise (Preisgeld von der LfA Förderbank Bayern) für herausragende Leistungen wurden von der Fachjury in folgenden  Kategorien vergeben:

- PREIS FÜR EINE HERAUSRAGENDE  KINDER- UND JUGENDTHEATERPRODUKTION; (2000 Euro)
für die Produktion CLYDE UND BONNIE, E.T.A. Hoffmann Theater Bamberg, in der Inszenierung von Joerg Bitterich

- PREIS FÜR EINEN HERAUSRAGENDEN NACHWUCHSDARSTELLER; (2000 Euro)
Robert Naumann

für seine Darstellung des TITUS in der gleichnamigen Inszenierung von Jérome Junod und seine Darstellung des LUCKY in der Inszenierung WARTEN AUF GODOT von Katja Ott, das Theater Erlangen

- PREIS FÜR EIN HERAUSRAGENDES PROJEKT; (2000 Euro)
für die Produktion ICH VERSPEISE HIMMEL, Stadttheater Fürth, in der Inszenierung von Werner Müller

- PREIS FÜR EINE HERAUSRAGENDE AUSSTATTUNG; (3000 Euro)

für Annett Segerer und Uwe Bertram für die Ausstattung in THE BLACK RIDER, BELAQUA. theater wasserburg, in der Inszenierung von Uwe Bertram

- PREIS FÜR EINE HERAUSRAGENDE ENSEMBLELEISTUNG; (3000 Euro)
für das Ensemble der Produktion EISENSTEIN, Theater Regensburg, in der Inszenierung von Jochen Schölch

- PREIS FÜR EINE HERAUSRAGENDE PRODUKTION; (3000 Euro)

für die Produktion WOYZECK, Staatstheater Nürnberg, in der Inszenierung von Christoph Mehler

- DER AUGSBURGER FÖRDERPREIS 2012 (einmalig); (2500 Euro)
Milos Lolic

für seine Inszenierung BLUTHOCHZEIT von Federico García Lorca, Münchner Volkstheater

Die Förderpreise (Preisgeld von Lechwerke AG) für herausragende Leistungen wurden von der Jugendjury in folgenden Kategorien vergeben:

- PREIS FÜR EINE HERAUSRAGENDE SCHAUSPIELERISCHE LEISTUNG; (333,33 Euro)
Robert Naumann

für seine Darstellung des TITUS in der gleichnamigen Inszenierung von Jérome Junod, das theater erlangen

- PREIS FÜR EINE HERAUSRAGENDE INSZENIERUNG; (333,33 Euro)

für die Produktion WIR ALLE FÜR IMMER ZUSAMMEN, Fränkisches Theater Schloss Maßbach, in der Inszenierung von Thomas Klischke

- PREIS FÜR EINE BEWEGENDE INSZENIERUNG; (333,33 Euro)

für die Produktion WOYZECK, Staatstheater Nürnberg, in der Inszenierung von Christoph Mehler

Der Publikumspreis (1000 Euro Preisgeld von Lechwerke AG) geht an:

- die Produktion OSKAR UND DIE DAME IN ROSA, kleines theater – KAMMERSPIELE LANDSHUT, in der Inszenierung von Petra Dannenhöfer

Hier können Sie die Pressemitteilung als PDF downloaden

Gestern Augsburg, heute Augsburg, morgen…

Drei Vorstellungen noch am letzten Abend, noch dreimal Theater, noch dreimal abstimmen. Ein Nachgespräch, ein Konzert und draußen noch einmal im Festivalzentrum sitzen. Der letzte Abend der Bayerischen Theatertage – viel Grund zu feiern. Schöne Erinnerungen werden ausgetauscht, man plaudert noch einmal mit den reizenden Menschen, die man während der zweieinhalb Festivalwochen kennengelernt hat, man stößt darauf an, dass alles so gut geklappt hat. Ein wenig Wehmut mischt sich in die Gespräche: Am nächsten Tag wird alles endgültig vorbei sein, die Theaterschaffenden aus ganz Bayern die Stadt verlassen, immer noch das Forellenquintett im Ohr, das sie wohl nie mehr aus dem Kopf bekommen werden. Das Festivalzentrum wird abgebaut werden und dann ist Augsburg wieder allein mit seinem eigenen Theater. Die Trennung von dieser Stadt fällt schwer: Als die letzten Besucher nach Hause gehen, ist es nach zwei Uhr und die braven Einwohner der Stadt schlafen schon lange.

Heute nachmittag dann noch die Verleihung der Preise im Großen Haus. Fachjury, Jugendjury und das Publikum werden bekanntgeben, welches ihre Favoriten im breit gefächerten Programm gewesen sind. Dann heißt es – leider – wirklich gestern Augsburg und mit Blick auf die nächsten Theatertage: Morgen Nürnberg.

Die schönsten Pausen sind rot

Ja, diese Theaterpausen… Irgendwie lästig sind sie schon. Da ist der Theaterzuschauer mitten drin in der Inszenierung und dann wird einfach unterbrochen. Die Bühne leert sich, das Licht geht an, und das Publikum muss aus dem Saal hinausgehen und fünfzehn oder gar zwanzig Minuten die Zeit totschlagen. Man steht im Freien herum – momentan ist es zum Glück meist trocken –, widmet sich seinem Champagner und redet. Bei den Bayerischen Theatertagen können allerdings nicht alle dem Drang widerstehen, ihre Abstimmungskarte schon in der Pause einzuwerfen. Nicht im Sinne des Erfinders!

Dabei sind Pausen an sich etwas sehr Positives. Auf der Bühne sind sie, gut eingesetzt, das wirkungsvollste der Mittel, wenn zwischen zwei Worten ein größerer Abstand gelassen wird. Wenn man das Gefühl hat, dass die Figuren die Wahl haben, wie sie ihren Redefluss gestalten, wieviel Zeit sie sich lassen. Klug gesetzte Pausen machen den Unterschied zwischen durchschnittlichen und herausragenden Inszenierungen aus, weswegen letztere häufig auch länger dauern (es gibt aber auch lange Aufführungen voller Kunstpausen, die schlicht langweilig sind – generalisieren darf man da nicht). Aber während der Aufführung komplett aus der Illusion hinaus? Das macht inhaltlich in den seltensten Fällen Sinn. Immerhin hat man aber etwas, worauf man sich freuen kann: Den zweiten Teil. Und dank der Theatertage gewöhnt man sich auch daran, das Warten konstruktiv zu nutzen, etwa indem man sich einen Theaterplan für die nächsten Tage zusammenbastelt.

Wahre Begeisterung

Seit Beginn der Theatertage erhält man sie am Eingang in die Hand gedrückt: Kleine rechteckige Zettelchen, die sich Wertekarten nennen und den Zweck haben, die Zuschauer zum Bewerten der Vorstellungen zu animieren. Denn der Kulturförderverein INS Theater Augsburg – die Abkürzung INS steht für Innovativ – Nachhaltig – Sehenswert, was an Kreativität fast schon an das AuGuS-Theater aus Neu-Ulm, das Autonome Goethe- und Schiller-Theater, heranreicht –, INS Theater Augsburg also sowie die stadtbekannten Lechwerke haben einen Publikumspreis ausgelobt, bei dem logischerweise die Zuschauer den Gewinner bestimmen.

Der Abstimmungszettel sorgte in den ersten Tagen teilweise noch für Verwirrung, da einige Zuschauer zuerst meinten, sie müssten auf dem Zettel ein Kreuzchen machen oder ihre Wertung sonst irgendwie darauf vermerken. Einige Erklärungen waren nötig, bevor sich herumgesprochen hatte, dass die Zettel nur einen Teil des Gesamtkonzepts darstellen, nämlich die Gebrauchsanweisung für die Abstimmung und zugleich Ausdruck der eigenen Meinung sind. Das Dreipunkte-Bewertungssystem wird darauf erklärt, das aber erst in Verbindung mit der dreifarbigen Urne Sinn ergibt, in der der Zettel landen soll.

Auch das Dreipunktesystem ist, wie sich aus den Gesprächen in den Foyers heraushören lässt, nicht unumstritten. Ausgerechnet die Missfallensbekundung (Daumen nach unten) in roter Farbe zu halten, war eine sehr gewagte Entscheidung in einer Stadt, in der das Rot derart dominant auftritt. Doch schnell hat man sich mit der Gleichung grün = “finde ich super” arrangiert. Nach den Vorstellungen stürmen die Zuschauer geradezu in Richtung Urne und oft lassen sie ihre Zettel mehrheitlich in der grünen Box verschwinden. Eindeutige Ablehnung hat auch immer so was Negatives.

Allerdings: Nicht jeder stimmt allein deshalb positiv ab, weil er die gesehene Aufführung für absolut gelungen hält. In knapp zwei Wochen Festival haben sich verschiedene Typen unter den Positivstimmern herauskristallisiert: Da ist der Menschenfreund, der so gut nachempfinden kann, wie schwierig eine Theaterinszenierung ist, dass er allein schon aus Ehrfurcht grundsätzlich positiv wertet. Da ist der Textenthusiast, der das Stück vorher schon gut fand und nachher immer noch. Da ist der Verzauberte, der beglückt aus dem Theater eilt, weil er es faszinierend findet, wie sich Schauspieler so viel Text merken können. Da ist der Berufskollege, der sich solidarisiert. Und da ist der etwas Ängstliche, der fürchtet, sich für eine schlechte Wertung rechtfertigen zu müssen, und deshalb lieber gleich positiv abstimmt. Wie dem auch sei, die Schlangen beim Abstimmen sind oft lang. Einige Zuschauer lassen sich deshalb lieber nicht auf das Warten ein. Eine Mutter zum Beispiel macht mit ihrem Sohn einen weiten Bogen um die Urnen und tröstet ihn: „Die Karte können wir morgen noch einwerfen!“

Drei Tage sind es noch, an denen abgestimmt wird, bevor am Sonntag feststeht, wer den Preis gewonnen hat. Möge es einen eindeutigen Sieger geben!

Ein Ergebnis immerhin steht bereits jetzt fest, denn für das Organisationsteam der Bayerischen Theatertage kann es nur eine Wertung geben: