Kritik zu: Das Herz sitzt über dem Popo – oder Das Neue ist immer das Alte

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Fotograf: Jim Albright

Ein Mann stolpert auf die Bühne, ruft mit einem überraschten Blick aufs Publikum „Oh“, setzt sich an den Flügel und beginnt zu singen: „Oh verehrtes Publikum bist du wirklich so dumm?“

Das Stück „Das Herz sitzt über dem Popo“ vom Theater Ansbach lässt Joachim Ringelnatz, Erich Kästner und Kurt Tucholsky aufeinandertreffen.

Die Gedichte und Texte der drei Schriftsteller wurden zum Teil durch die Begleitung des Flügels zu  Gesangsstücken oder einfach gesprochen vorgetragen. Und so, führte Helmut Büchel sie zu einer abendfüllenden Collage zusammen, die das Publikum in Nürnberg oftmals zum Lachen brachte. Der Berliner Dialekt, das Norddeutsch oder auch das betrunkene Lallen von Büchel, einem der Darsteller, kombiniert mit seiner hervorragenden Mimik machten es zu einer schauspielerisch guten Darbietung.

Für das Publikum, welches größtenteils aus Senioren bestand, schien es ein gelungener Abend mit viel Witz gewesen zu sein, für unsere Altersklasse waren die meist unbekannten Texte ganz nett vor getragen, die Inszenierung konnte aber nicht überzeugen. Das lag auch daran, dass es kein Theaterstück war, sondern eine Gedichtsammlung.

Anne Engler, Anna Freitag, Katharina Hofbauer und Anna Sörgel

Kritik zu: Woyzeck

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Fotograf: Christian Flamm

Woyzeck ist ein mittelloser Soldat, mit unehelichem Kind und seiner Freundin Marie. Um diese finanziell unterstützen zu können, arbeitet er für seinen Hauptmann und unterzieht sich nebenbei Versuchszwecken des Doktors. Als Marie jedoch eine Affäre mit einem Tambourmajor beginnt, fängt Woyzeck an zu glauben, eine innere Stimme zu hören, die ihm befiehlt Marie zu töten. Woyzeck, ein von der Gesellschaft getriebener Soldat. Gesteuert wie eine Marionette.

Ein tolles Bühnenbild zieht den Zuschauer mitten in die Geschichte, mitten auf den Rummelplatz. Zusammen mit Popcorn und dem frischen Duft nach gebrannten Mandeln und Popcorn wird das Publikum empfangen. Ein Fest für Augen und Ohren, das durch das ständig wandelnde Bühnenbild und Live Musik mitsamt Gesang ausgedrückt wird, sodass das Schauspiel einen Hauch von Musical hat.

Durch die ständigen Wechsel der Charaktere, unter vier Schauspielern, war der Inhalt teilweise unverständlich. Dies wurde durch die dämmrige Beleuchtung noch verstärkt.

Ein etwas anderes Stück mit großer Begeisterung und lang anhaltenden Applaus.

Meike Artelt

Kritik zu: Das Ende des Regens

Ingolstadt-EndeDesRegens3-JochenKlenkFotograf: Jochen Klenk

Ein Mann betritt die Bühne. Mit einem Fisch ausgestattet, den er wie eine Trophäe hält, erzählt er von dem Anruf seines 20 Jahre lang nicht gesehen Sohnes.

Was vorerst sehr skurril wirkt, entpuppt sich im Laufe des Stückes als weitläufiges Familendrama. Durch Zeitsprünge in die Vergangenheit und Zukunft wird man nach und nach in die kleinen Abgründe der Gesellschaft geführt. Dies erinnert an eine harmlosere Version von Dirk Bernemanns Kurzgeschichten: „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“. Schicksalsketten sowie Redewendungen ziehen sich durch Generationen zweier Familien, dessen Mitglieder sich fast immer determinieren lassen.

Am Besten, ist es dieses Stück ohne jegliche Einführung mit zu verfolgen, denn so wird man zum mitdenken angeregt. Da drei verschiedene Personen den gleichen Namen tragen, kommt erst gegen Ende der erwartete „Aha-Effekt“. Das Bühnenbild ist einfach gehalten, jedoch vielfältig einsetzbar. Die Kostüme sind schlicht, zeitgemäß und vor allem charakterbildend ohne zu übertreiben. Hier geht es nicht um „Schnick-Schnack“ sondern um das Innenleben der Personen und ihre Geschichte. Das Ganze ist realistisch gespielt und auf die eher übliche Theatersprech-Melodie wird ebenfalls verzichtet.

Dieses Stück ist natürlich Geschmackssache, wer beim Theater abschalten möchte, der sollte eindeutig die Finger davon lassen. Wer lieber bei guten Geschichten mit rätselt, für den ist das eindeutig ein Muss.

Vanessa Mertenbacher

Kritik zu: Max

Landshut-Max-ChristineVinconFotografin: Christine Vincon

Max ist offensichtlich anders.
Als er die Bühne mit seiner Taucherbrille, Schnorchel und Taucherflossen betritt, sorgt er schon für den ersten Lacher der Kinder. Auch Coco, die Putzfrau der Schule, erschrickt beim ersten Anblick, schließt ihn dann aber sofort in ihr Herz.
In vier Szenen verändern sich die Beiden in unterschiedliche Richtungen: Sie entdeckt ihre kindliche Seite wieder, während er „normal“ wird, was sich in seinen, immer unauffälliger werdenden Kostümen zeigt.
Dies sind allerdings wohl kaum die Gedanken, die den Kindern während der Vorstellung in den Sinn kommen. Für sie geht es wahrscheinlich um Themen wie Freundschaft und Erwachsenwerden, die in dem Stück auch angesprochen werden. Im Vordergrund steht jedoch mehr das merkwürdige und somit komische Verhalten von Max, was an den zahlreichen Lachern zu erkennen war.
Die Schauspieler zeigten ein überdeutliches und so kindergerechtes Spiel und sowohl die Requisiten als auch die Kostüme machten das Stück amüsant.
Max, ein Theaterstück, mit dem die Kammerspiele Landshut am 12.06.2013, Kinder zu Zugaberufen brachte und welches für verschiedene Altersgruppen, unterschiedliche Interpretationen zulässt.

Nicole Geißelbrecht, Nicole Daschner

Kritik zu: Die Ängstlichen und die Brutalen

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Fotograf: Raimund Hackl

 

Wie gehen zwei völlig unterschiedliche Brüder mit dem Tod ihres Vaters um?
Genau darum geht es sich in diesem Stück. Die beiden Söhne Eirik, der starke, aggressive und dominante, und Berg, der schwächere und stille, der alles einstecken hat müssen, sind mit dieser Situation total überfordert. Deshalb gehen sie sich gegenseitig an die Gurgel. Im Laufe der Zeit gewöhnen sie sich jedoch an die Lage. Dadurch, dass sich die beiden nun schon eine längere Zeit in der Wohnung mit dem toten Vater befinden, verbinden sie die Realität mit einer anderen Dimension, und zwar die, in welcher der Vater immer wieder lebendig wird.
Letztendlich kommt es zu einem Wechsel der Charaktere beider Brüder. Eirik wird zum Schwachen, Sensiblen und Hilfsbedürftigen und Berg übernimmt die führende Hand indem er die Familie wieder vereint.

Beginnend mit schwarzem Humor zum Thema Tod, wandelt sich die Stimmung des Stücks in eine skurrile, beinahe beängstigende Aura. Es handelt sich hierbei um ein Stück, das von der Ausdauer der Schauspieler geprägt ist, und von deren Ausdruck abhängt. Somit ist die beeindruckende Leistung der Schauspieler zu betonen, die die Wandlung der psychischen Verfassung der Charaktere sehr gut umsetzen. Der ständige Wechsel von Realität und von der gewünschten Dimension bewirkt beim Zuschauer ein gewisses Mitgefühl.

Michael Henning

Kritik zu: Kohlhiesels Töchter

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Fotograf: Henning Rosenbusch

„Das war der Oberhammer!“ – Oberhammer bayerisch und eine Materialschlacht vom Feinsten, so könnte man das Stück Kohlhiesels Töchter des Landestheaters Coburg einfach zusammenfassen. Alle wollen die hübsche Tochter des Land- und Pensionbesitzers Kohlhiesel heiraten, doch  der letzte Wille seiner verstorbenen Frau verhindert, dass die begehrte Liesel vor ihrer hässlichen, Männer hassenden Schwester Susie heiratet.

Das Bühnenbild war klassisch, nichts reduziert auf irgendwelche Symbolik! Das Gaststättenhaus mitsamt Küche, Klo, Treppenhaus und Balkon war auf einer Drehbühne aufgebaut und bespielbar.

Die Authentizität wurde perfekt erzielt durch den bayerischen Dialekt, die vielen Requisiten und letztendlich auch durch die Musik der Kapelle und des Chors, die gleichzeitig auch als Statisten agierten.
Das Stück bekam seinen Witz besonders durch die urigen Charaktere, politisch angehauchte Reden und die bayerische Volksmusik.

Der Abend war ein richtiges Schmankerl und ein Besuch garantiert einen abwechslungsreichen Ausflug ins bayerische Hinterland. 

Katharina Hofbauer, Alexandra Sommer, Anna Freitag

Kritik zu: Die Frau die gegen Türen rannte

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Fotografin: Marion Buehrle

 

Die Frau die gegen die Türen rannte ist nicht etwa tollpatischig noch ist das Stück eine Komödie, sondern eine dramatische Geschichte in der es um eine Alkoholikerin geht, welche von ihrem Mann geschlagen wurde. Doch dies verschweigt sie und deshalb wird sie von den Ärzten als „Die Frau die gegen die Türe rannte” bezeichnet.
In dem Stück erzählt sie ihre tragische Lebensgeschichte.

Das Bühnenbild war einfach gehalten und im Stil der siebziger Jahre. Die Requisiten verdeutlichten die Erinnerungen an die frühere Zeit der Schauspielerin.
Das Stück war sehr textlastig und auf eine sehr monotone Art dargestellt. Die Schauspielerin spielte sehr authentisch, aber für uns war es eher schwer nachzuvollziehen wie sich die Protagonistin fühlt.

Die Musik brachte Abwechslung und ließ Paula sich an die wenigen schönen Momente erinnern.
Insgesamt war es ein Stück, dass viel Fantasie forderte und ein ernstes Thema der Gesellschaft behandelte und einen bitteren Nachgeschmack hinterließ.

Jana Plundrich, Julia Gutsche, Nicole Daschner, Dorothee Voltz, Andre Wengenroth

Kritik zu: Felix Krull

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Fotografin: Andrea Huber

 

„Guten Tag Madame, in welches Stockwerk darf es gehen?“ – wenn es nach uns gehen würde, dann bitte ganz nach oben! Denn die drei Schauspieler vom Münchner Volkstheater schafften es ihre Inszenierung Felix Krull auf dieser Ebene darzustellen. Drei Schauspieler die jeweils die gleiche Person darstellen, nämlich den Hochstapler Felix Krull, standen im Wettbewerb untereinander um die „wahre“ Figur. Nachdem er sich dem Militär entzogen hat, ging er nach Paris und arbeitete dort als Lift-Boy. Mit Geschick und Hochstapelei, schaffte es Felix Krull in die höhere Pariser Gesellschaft. Dadurch kam er in den Genuss mit einer neuen Identität, die eines Adeligen, um die Welt zu reisen.

Akrobatische, magische, witzige, und anspruchsvolle Leistungen, verpackt in ein einfaches aber treffendes Bühnenbild, das vielfältig und einfallsreich genutzt wurde. Bestehend aus drei Rahmen, umrandet mit LED-Leuchten, wurden die darin stehenden Schauspieler immer passend zur Rolle beleuchtet. Das alles kombiniert mit der hervorragenden schauspielerischen Leistung, wurde eine weit verbreitete Begeisterung erzielt. Mit am meisten imponierte der eigen improvisierte Schluss, welcher ein offenes Ende nicht besser hätte darstellen können. Der tosende Applaus spiegelte unsere Begeisterung  wieder – einfach mega geil!

 Julika Dörrfuß, Vinzent Kusche, Anna-Maria Birner, Marie-Theres Kern

Kritik zu: Die Räuber

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Fotograf: Franz Schlechter

 

Der Vorhang öffnet sich. Das Licht geht an und man sieht drei Personen in Affenkostümen in einem historischen Salon. Der Vorhang schließt sich wieder. So begann die Inszenierung von Schillers „Die Räuber“ vom Theater Regensburg am 10.06. im Schauspielhaus Nürnberg.

Franz von Moor, der jüngere von zwei Brüdern, fühlt sich vernachlässigt und ist eifersüchtig auf seinen allseits beliebten und idealistischen Bruder Karl. Deshalb will er sich an Karl rächen, indem er Lügen über ihn verbreitet und Intrigen plant. Karl gründet indessen, nach der angeblichen Verstoßung durch den Vater, aus Verzweiflung eine Räuberbande.

Die zwei Handlungsstränge der zwei Brüder wurden sehr eindrucksvoll durch das außergewöhnliche Bühnenbild dargestellt: Eine Drehbühne mit zwei verschiedenen Schauplätzen. Die schwierigen und teils sehr langen Schillermonologe waren vor allem für die jungen Besucher und Nichttextsicheren teilweise verwirrend und unverständlich, auch wenn die schauspielerische Leistung authentisch war. Wir als Jugendjury wurden leider nicht mitgerissen und haben uns nur wenig angesprochen gefühlt. Durch die schwer erkennbaren Rollenwechsel  der Schauspieler war es kompliziert der Handlung  zu folgen. Insgesamt hatte das Stück ein klassisch gehaltenes und durchdachtes Konzept mit hohem Sprachniveau, war aber für uns schwer durchschaubar, in manchen Teilen zu anspruchsvoll.

 Dorothee Voltz, Anne Voltz, Meike Artelt, Andre Wengenroth

Kritik zu: …die Welt steht still

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Fotografin: Juliana Zitzlsperger

 

Die erste Überraschung erwartet die Zuschauer beim Betreten der Bluebox. Die Stühle stehen kreuz und quer im Raum verteilt. Nachdem sich alle zögerlich gesetzt haben, stürmen zwei junge Schauspieler in den Raum.
Murat und Marco sind zwei Jugendliche ohne Perspektive, die mit Diskriminierung zu kämpfen haben. An dem Tag, von dem die beiden erzählen, beschaffen sie sich zwei Security-Uniformen und auf einmal eröffnen sich ihnen neue Möglichkeiten. Im Bus kassieren die Beiden Schwarzfahrer ab und im Supermarkt beschlagnahmen sie den Edelschnaps einer Ladendiebin. Das muss gefeiert werden. Aber der tolle Tag endet fatal. Nach übermäßigem Alkoholkonsum erstickt Murat an seinem Erbrochenen.
Die Inszenierung lebt davon, dass die Zuschauer in das Stück hinein gezogen werden. Sie müssen Platz machen für Bus, Stadion und Tanzfläche und übernehmen die Rolle von Fußballfans und Discobesuchern. Am Ende tragen sie sogar mit Schuld an Murats Tod. Denn sie waren es, die ihm immer wieder bereitwillig die Flasche reichten.
Ein Abend der Spaß macht, aber zugleich nachdenklich stimmt und zum Reflektieren des eigenen Verhaltens anregt.

Ronja Regler, Maja Bohnhoff